Maske:
Vieläuger

Es war eine meiner ersten Masken. Sie sollte urtümlich sein und doch frei von allem Folkloreartigem. Unfertig in der Bearbeitung, nichts nett Lackiertes: Ton also, flüchtig bearbeitet, gebrannt, mit Acryl bemalt, zur Sehfähigkeit erweckt. Eine Figur, die mit den Augen die Welt einschlürft. Als Gegenstück habe ich einen Zyklopen gemacht, der mit einem Auge tötet.

Aktuell: Meine nächsten Lesungen

 

Samstag, 2. September, Friedhofsforum der Stadt Zürich, Abdankungshalle Friedhof Sihlfeld A, Zugang via Ämtlerstrasse 149, Zürich im Rahmen der Veranstaltungen von „Lange Nacht der Zürcher Museen“. Lesung aus den „Nachrufen“, die ich seinerzeit für die „NZZ am Sonntag verfasst habe. 5 Sets mit verschiedenen Geschichten, je eine halbe Stunde, um: 20.00, 21.00, 23.00, 00 und 01 Uhr.

Donnerstag, 5. Oktober 2017, 19.00 Uhr, HTW Chur, Bibliothek Standort Technik. Pulvermühlestrasse 57 (Bushaltestelle Chur, HTW Ringstrasse). Lesung aus dem Roman „Denn sie haben daran geglaubt.“

Freitag, 27. Oktober 2017, 19.00 Uhr, Bar und Buchhandlung „Sphères“, Hardturmstrasse 66, 8005 Zürich (Tramhaltestelle Förrlibuckstrasse). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe und Buchtage „Zürich liest“. Buchvernissage und Lesung aus der überarbeiteten Ausgabe von „Deubelbeiss“; Gespräch mit dem Verleger.

Samstag, 28. Oktober 2017, 13.30-14.25, Tram-Extrafahrt, ab Haltestelle Bellevue, Zürich. Lesung aus dem Roman „Denn sie haben dran geglaubt.“

 

 

"Denn sie haben daran geglaubt"

Mein Roman über die 68er

 

Aus dem Prospekt des Bilger-Verlages: »Se ben che siamo donne, paura non abbiamo.«

Dieser kleine heimtückische Roman aus der Feder des bekennenden Alt-Achtundsechzigers Willi Wottreng bekundet all jenen gegenüber Respekt, die heute als einstige Utopisten und Idealisten belächelt werden. Oder denunziert werden als Sympathisanten des Terrors.

»Blitz« hat ihr Freund sie genannt, ihr großer Freund in jenem schicksalhaften Jahr 1976, da sie in Frankfurt lebte, nach dem Zusammenbruch von Ehe und Familie. »Blitz« und manchmal »Blitz-Liz«. Weil sie teuflisch schnell war an den Demos und nachts mit dem Blitzlichtgerät voll in die knüppelnden Polizisten hineinleuchtete. Jahrzehnte später.

Willi Wottreng, Denn sie haben daran geglaubt. Roman, Bilgerverlag 2017. ISBN 978-3-03762-065-6.

 

 

Pressestimmen und Zitate

 

Sonntagszeitung, Ewa Hess: Der ehemalige Maoist Willi Wottreng, 68, auch für seine legendären NZZaS-Nachrufe bekannt, legt einen geschickt konstruierten und unsentimental erzählten Krimi vor.

 

St. Galler und Luzerner Tagblatt, Hansruedi Kugler. Ein Krimi ist dieses Buch streng genommen gar nicht, auch wenn ein Banküberfall und ein Mordversuch geschehen. Vielmehr ist es ein genaues Porträt einer Generation – geschrieben von einem Insider, der mit einem menschenfreundlichen und lustvoll selbstkritischen Blick zurückschaut.

 

NZZ am Sonntag, Manfred Papst: Wottreng verteidigt die Utopien von einst. Mutig, witzig und gegen den öden Zeitgeist.

 

Kulturtipp, Frank von Niederhäusern: Willi Wottreng blickt in seinem so witzigen wie wehmütigen Roman zurück in jene Zeit, die ihn selbst nachhaltig geprägt hat.

 

Tagblatt der Stadt Zürich, Isabella Seemann: „ein amüsant-spannender und dichter Züri-Krimi, in dem keiner freigesprochen, aber auch niemand an den Pranger gestellt wird.

 

Coop-Zeitung, Eva Nydegger: Willi Wottrengs Roman um die gegensätzlichen Welten von Liz und Ernst ist spannend bis zum Schluss. Ganz offensichtlich schöpft der Historiker, Journalist und Sachbuchautor als Romancier aus dem Vollen

 

20 Minuten, Wolfgang Bortlik: Es geht hier tatsächlich darum, in Würde zu altern und seine Ideale nicht zu verraten. Aber auch darum, im Alter einzusehen, dass man in jungen Jahren einen ziemlichen Seich gemacht hat. Solche Bekenntnisse sind, genauso wie die Geschichte der Linken, eher rar in der Schweizer Literatur. Auch deswegen muss man diesen Roman lesen.

 

 

 

Lülü–Roman aus dem Tösstal, ziemlich abseits

 

Aus dem Prospekt des Bilger-Verlages. »Über jeden wächst einmal Gras, nur über die Kühe nicht, die es fressen.«

Aufruhr in Riedwil im Tösstal, einem Tal, das in frühen Zeiten von den Kelten besiedelt sein soll. In Riedwil, der Gemeinde ohne Bahnhof, irgendwo um die Ecke bei Kollbrunn, Rikon und Turbenthal. In den zum Teil fast unberührten Seitentälern leben Gämsen, Auerhahn und ausgewilderte Luchse. Von Ufosichtungen ist die Rede, und auch an die bigotten Prediger auf den Hügeln hat man sich gewohnt. 

Aber zwei Tote in einem fremden Grab? Das ist mindestens einer zuviel, zumal von dem, der eigentlich darin liegen sollte, jede Spur fehlt. Für alles und zu Allen gab es Indizien. Zum Jenischen Anton Moser, dem Schuttforscher Amin de Trey, der Gemeindepräsidentin Edith Nussbaumer. Zu allem gab es Einwände. Zuletzt wurde Professor Amin de Trey am Rosengarten-Stammtisch zur dunklen Gestalt. Auch weil er sich dort nie gezeigt hatte.

 

Willi Wottreng, Lülü, Roman. Bilgerverlag 2015. ISBN 978-3-03762-049-6.

 

Pressestimmen und Zitate

 

Tagblatt der Stadt Zürich, Isabelle Seemann: Dieser Autor weiss auch meisterlich zu fabulieren. Ein Schelmenstück par excellence.

 

NZZ am Sonntag, Bücherbeilage, Manfred Papst: Wir lesen gebannt, lachen oft und lernen viel. Gut gegeben!

 

NZZ, Roman Bucheli: Beste Unterhaltung aus dem Geist des schwarzen und grotesken Humors.

 

Schweizerischer Feuilletondienst, Beat Mazenauer: Willi Wottreng siedelt im Tösstal eine Dorfposse an, die in manchem listig der Realität nachempfunden scheint. Riedwil könnte überall sein.

 

ekz.Bibliotheksservice: Auf den ersten Blick als konventioneller Krimi angelegt, geht die Geschichte bald tiefer, verlässt den Pfad eines bloßen "Falles" und wird zu einem Gesellschaftspanorama einer ländlichen Schweizer Gemeinde.

 

Buchhandlung im Volkshaus, Martin Bosshard: Zur Lektüre sehr empfohlen.

 

 

Legendärer Künstlermaskenball:

Verschollene Bilder und Fotos aus Privatleben

 

Ein farbenprächtiger Band ist's geworden. Das Buch "Einmal richtig spinnen können" über den legendären Künstlermaskenball in Zürich. Bis zu 5000 Menschen nahmen Jahr für Jahr an der dreitägigen Fête im Zürcher Kongresshaus teil. Ein Anlass von dadaistischem Charakter, wo Bohème und Bourgeoisie sich trafen, sich triezten, sich provozierten, sich vereinten und gemeinsam aus dem kleinkarierten Alltag auszbrachen. Der sittenstrenge Reformator Zwingli, Zürichs Schirmherr, hatte drei Tage nichts zu sagen. Es dominierte die kunst- und lustvolle Provokation. 

 

Der Bild- und Textband dokumentiert ein Stück Zürcher Kulturgeschichte.

 

Willi Wottreng, "Einmal richtig spinnen können". Elster-Verlag, Fr. 48.-, ISBN 978-3-906065-35-9

 

 

Lady Shiva

Porträt einer Prostituierten – und der siebziger Jahre, die ziemlich toll waren

 

Sie stand nächtens in der Schoffelgasse und wartete auf Kunden - eine eindrückliche Persönlichkeit, wie sich viele erinnern. Ich habe versucht, anhand des Lebens von Irene Staub - Szenename Lady Shiva - ein Stück Zürcher Kulturszene zu zeichnen. Die Zeit nach dem Achtundsechziger Aufbruch und vor Aids. Eine Zeit, in der man sich ungewöhnlich frei fand, in der man auch experimentierte mit der eigenen Gender-Zugehörigkeit: Bin ich Mann? Bin ich Frau? Bin ich beiden Geschlechtern zugehörig oder keinem?

 

Es geht um eine Szene aus Kunst, Film, Musik, Literatur, Fotografie. Es geht ums Niederdorf, um Partylokale wie die Platte 27, um Modeschauen im Kaufleuten und im Kino Forum, um eine Frauentheatergruppe, um internationale Kulturgrössen wie Sigmar Polke, David Bowie, Andy Warhol. Irene Staub stand mit vielen in Verbindung und war stets distanziert. Zugleich Beteiligte und Beobachterin.

 

Meine Recherchen gründen auf Gesprächen mit vielen Beteiligten. Die NZZ schreibt in einer ausführlichen Buchbesprechung am 1. 10. 2013: "Herausgekommen ist ein Sittenbild Zürichs in den 1970er und 1980er Jahren und das Porträt einer Frau, die viel mehr war als 'nur' Strassenprostituierte, die so viele Menschen inspiriert hat ...". Und: "Es ist Willi Wottreng hoch anzurechnen, dass er mit seinem neuesten Buch einrücklich klarstellt: Prostitution ist ein Beruf, Prostituierte sind Menschen mit vielen Facetten, sie gehören mitten in die Gesellschaft - und nicht an den Rand."

 

Willi Wottreng, Lady Shiva. Aufbruch auf High Heels. Elster-Verlag, Zürich 2014. Fr. 39.80, ISBN 978-3-906065-5-2

 

 

 

Tino, Rockerboss, ist zurück!

Das Buch ist wieder erhältlich, und ein Film über Tino ist gedreht worden

 

Das Buch "Tino – König des Untergrundes" ist vom Elster-Verlag neu herausgegeben worden, dies in der fünften Auflage. Erhältlich in den Buchhandlungen für Fr. 24.00, ISBN 978-3-906065-12-0.

 

Der Regisseur Adrian Winkler hat jahrelang am Film gearbeitet: "Tino-Frozen Angel". Produktion "Prèt-à-tourner". Zwar hat sich Adrian auf mein Buch gestützt, doch hat er selber weiter recherchiert und für seinen Film eine eigene Bildwelt gefunden. Ich freue mich darüber. Der Film ist an den Solothurner Filmtagen 2014 gezeigt worden. Ein Missverständnis zeigt sich in den Zeitungskritiken manchmal: Es geht um die Achtundsechziger Zeit, nicht um die heutigen Hells Angels.

 

 

 

Bildband: Zürich bewegt

Eine Stadtgeschichte in 600 Fotos

 

Um 1950 fing Zürichs Moderne an. Die Kleinstadt mit protestantischem Groove und dörflichen Quartierkernen begann, sich zur City mit einem urbanen Leben zu entwickeln, und zum kulturell vielfältigen Grossraum Zürich, dem Millionen-Zürich. Das Buch entstand als Begleitband zu einer vielbeachteten Ausstellung im Stadthaus Zürich, wo bewegte Bilder diese Geschichte aufleben liessen. Kurze Texte, prägnante Fotos demonstrieren, wie das Leben und der Alltag in Zürich in der Spanne einer Generation durch technologischen Wandel, Immigration, Verkehr bis ins Grundwasser umgewälzt wurde.

 

Warum hat der Verkehrsverein Zürich noch nicht entdeckt, dass dies ein ideales Geschenk an Gäste wäre, welche die Stadt besuchen?

 

Das Buch ist erschienen bei Elster und im Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-907668-87-0, Fr. 39.80. Ein ideales Geschenk auch im privaten Umfeld.

 

 

 

Wie Eier vom Bauernhof

Vergriffene Bücher direkt beim Produzenten kaufen

 

Der Verlag Orell Füssli hat alle meine Bücher liquidiert, weil sie zu wenig trendig sind und damit zu wenig Umatz machen. Wie mir eine Sprecherin sagte, setze man auf Blockboosters. Es wäre zur heimlichen Bücherverbrennung gekommen, hätte ich die Bücher und die Rechte daran nicht an mich genommen. Typisches Autorschicksal in einer allzu leichtlebigen Zeit. Nun sind einige Bücher temporär im Markt nicht mehr erhältlich, andere hat der Elster-Verlag freundschaftlicherweise gerettet. Man kann jene Buchtitel, die derzeit nicht im Buchhandel sind, bei mir bestellen; ich gebe sie für 20 Franken pro Buch plus Versandkosten ab (Einfache Bestellung via w.wottreng@bluewin.ch).

 

Also besorgt Euch den "Deubelbeiss", den "Zigeunerhäuptling", die "Kriminalgeschichten". Und auch das Immigrationsbuch (siehe weiter unten).

 

 

 

My Generation

Der Dokumentarfilm über eine Generation

 

«Wir waren jung, frei und sexy.» So heisst es auf dem Plakat für den Film mit dem Titel My Generation, den die Regisseurin Veronika Minder gedreht hat. Darin werden sechs 1948 Geborene porträtiert. Ich hatte das Vergnügen, als eine der Darsteller mit eingewirkt zu werden.

 

Entstanden ist ein subtiler Film, der zeigt, dass es die Achtundsechziger als festen idellenne und biografischen Block nicht gibt, aber dass die Biografien der Damaligen von den Ideen geprägt wurden: Ausbruch und Suche nach einem eigenen Weg. In den Kinos ist der Film mittlerweile gelaufen, man findet man ihn immer mal wieder in einzelnen Städten und an speziellen Anlässen. Ich werde informieren, wenn er allenfalls ins Fernsehen kommt.

 

CDs sind erhältlich david.pinzon@pelicanfilm.ch oder oder über die Buchhandlungen Orell Füssli.

 

 

 

Alte Geschichten veralten nicht

Die Schweiz und die unendliche Geschichte der Einwanderung

 

Nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungs-Initiative und vor der Abstimmung über die Ecopop-Initiative kommt mir in den Sinn, dass ich einmal ein Buch geschrieben habe mit dem Titel "Ein einzige Volk von Immigranten. Die Geschichte der Einwanderung in die Schweiz". (Orell Füssli-Verlag, Zürich 2000, ISBN 3-280-02652-0). Es zeigt die Einwanderungsbewegungen seit den deutschen Handwerkern des 19. Jahrhunderts, über die italienischen Bauarbeiter zu den tibeitschen Flüchtlingen und und und . . . Schicht für Schicht haben die Zugewanderten den Boden dieses Landes gelegt. Und es gibt wohl niemanden, dessen Vorfahren bei der Schlacht von Sempach Morgarten dabei waren. Und wenn ja, dann möglicherweise auf der österreichischen Seite.

 

Das Buch ist zwar derzeit nicht im Buchhandel, wohl aber bei mir erhältlich für Fr. 20.- plus Versandkosten. E-Mail-Bestellung genügt, ich schicke.

 

 

 

KurzinfosKurzinfosKurzinfos

Bücher sind wie Schiffchen, die der Autor aus seiner Werft entlässt. Sie schlagen Wellen, machen sich selbständig, und manchmal findet man sie in Häfen, wo man sie nicht erwartet.

Zürich bewegt – eine Stadtgeschichte in Bildern

Kaum ist ein Buch erschienen, tragen Dir die Leserinnen und Leser zu, was darin alles falsch ist. Oh könnte man es doch diesem Publikum vorher zeigen. Jedenfalls war in Zürich Polizeistunde einst nicht um 23 Uhr, sondern um 24 Uhr. Und das alte klassische Gymi beim Pfauen war nicht das Rämibühl, sondern das Schulhaus Schanzenberg. Es braucht die Leserinnen und Leser nicht zu interessieren, wie es zu solchen dummen Fehlern kommen kann.

Zürcher Kriminalgeschichte

Vor Jahren hatte mich die «Weltwoche» entlassen, offensichtlich weil ich als ehemaliger Achtundsechziger grundsätzlich des Scheuklappentums verdächtig war. Heute lesen wir in derselben «Weltwoche» in ihrer Besprechung meines Buches zur Zürcher Kriminalgeschichte (in der Ausgabe vom 17. September 2009) den bemerkenswerten Satz: «Wenn es für Fachbücher schreibende Journalisten bezüglich Sorgfalt der Recherchen und Genauigkeit der Quellen eine Messlatte gibt, heisst sie Willi Wottreng.»

Lydia Welti-Escher I

Das Buch über die Zürcher Patrizierin Lydia Welti-Escher («Die Millionärin und der Maler») war im April 2008 neu aufgelegt worden. Die zweite Auflage enthält ein Nachwort über die in Florenz vor kurzem aufgetauchten Psychiatrieakten. (Verlag Orell Füssli). Es hat beigetragen, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 150. Geburtstag Lydias etwas üppiger ausgefallen sind. Am meisten hat mich gefreut, dass die Gesellschaft zu Fraumünster – im Volksmund Frauenzunft genannt – am Zürcher Sechseläuten 2008 eine Ehrung von Welti-Escher als Kunstmäzenin vorgenommen hat und auf dem lauschige Plätzchen beim Kunsthaus hinter dem Kunsthausrestaurant (am Haus der Stiftung Pro Helvetia) eine Tafel für sie enthüllt hat. In dieser Gegend um den Pfauen verkehrte die kunstinteressierte junge Lydia häufig. Die erste Ehrung für eine seit über hundert Jahren verlästerte Frau

Deubelbeiss

Ein Leser mailt mir aus Kanada, dass er versucht habe, via Amazon das Deubelbeiss-Buch zu erhalten und Bescheid erhalten habe, dieser Buchtitel werde nicht nach Kanada geliefert. Er fährt fort: «Mich nimmt wunder, wo da der Wurm steckt. Es handelt sich ja wahrhaftig nicht um pornographische oder gemeingefährliche Literatur.» Hatten die Behörden darin eine Anleitung zum Verbrechertum gesehen?
Das Buch «Deubelbeiss & Co» diente als historische Grundlage für eine sehr reizvolle Theaterproduktion im Theater am Bahnhof (TAB) im aargauischen Reinach im Sommer 2010. (siehe: http://tab.ch/p/theatergruppetab.php).

Stadtkreis 4

Im Zürcher Kleinverlag «Walkwerk» erschien 2008 ein Memory-Spiel über den Kreis 4. Ich habe die dazugehörige kleine Broschüre verfasst – eine Liebeserklärung ans Quartier.

Zürich, Langstrasse – Vivarium 4. Mit Fotos von Stefan Süess, Walkwerk, 2008, ISBN 978-3-905863-02-4.
 

Immigration («Ein einzig Volk von Immigranten»)

Im Internetbulletin des Bundesamtes für Migration habe ich die Meldung über die Einweihung eines Migrationsbusses durch Bundesrätin Micheline Calmy-Rey gelesen, die vor längerer Zeit stattfand: «In ihrer Ansprache zitierte die schweizerische Aussenministerin dabei den Zürcher Journalisten und Schriftsteller Willi Wottreng, der sehr gut beschrieben hat, was Migrantinnen und Migranten über die Jahrzehnte erbracht haben: "Bei der nächsten Sternschnuppe möge der Himmel den Wunsch erfüllen, dass für eine Nacht in den Schweizer Städten und Dörfern alle jene Backsteine, Betonmauern, Kabl und Röhren, Balken und Pfähle fehlten, die von den Italienern, Spaniern, Jugoslawen, Griechen ... nach dem Krieg gebaut wurden. Man würde durch ein verwüstetes Gebiet fahren und wüsste, was die Schweiz denen verdankt, die sie Gastarbeiter nannte.» Ich begrüsse die einstige Bundesrätin im Kreis der Leserschaft.
 

Geldfälscher Farinet

Das Buch über den Geldfälscher Farinet ist wieder lieferbar nun im Verlag Rio bei Elster. Die hübscheste Kritik, die ich übrigens bisher auf ein Buch hin erhalten habe, stammt aus der «Münzen-Revue» in Lörrach. Eigentlich ist es ein Totalverriss. Sie rezensiert mit Fachblick:
"Es ist anstrengend, dieses Buch zu lesen, und der Erkenntniszuwachs danach ist marginal. Was nicht an den den reinen Tatsachen liegt, der Autor schafft es nur, sie hinter einem nichtssagenden Wortgeklingel wirkungsvoll zu verbergen. Und wehe, der Leser möchte nach der Lektüre einen bestimmten Sachverhalt noch einmal nachlesen. Keine Chance. Der Autor springt in der Geschichte herum, kennt keine feste Gliederung, seine Titel haben nichts mit dem Inhalt der Kapitel zu tun. Es ist einfach traurig, wenn man an die viele Arbeit denkt, die der Autor im Vorfeld seines Buches geleistet haben muss."

Uebrigens erzählte mir kürzlich der einstige Geldfälscher Hansjörg Mühlematter, der im AHV-Alter durch ehrliche Arbeit sein Leben verdienen muss, er habe auf Grund der Darstellung im Farinet-Buch ein Gemälde seines berühmtesten Vorgängers gemalt:den toten Farinet, in der Schlucht des Flusses Salentze liegend. Dass ein toter Geldfälscher einen lebendigen zu künstlerischer Tätigkeit inspiriert, hat etwas Heiteres. Mühlematters Geschichte wird im Anhang zur Neuausgabe erzählt.

Das Farinet-Buch diente 2010 als Grundlage für eine Theateraufführung im Freilichmuseum Ballenberg.

Lydia Welti-Escher II

2008 ist auch ein Buch von Credit-Suisse-Chefhistoriker Joseph Jung über Lydia erschienen. Es kommt schön daher, materialreich, dahinter steckt Geld und Arbeit. In einem Interview mit der Weltwoche am 10. Juli 2008 sagt der Autor etwas Erstaunliches. Frage der Weltwoche: «Der Publizist Willi Wottreng hat aus Lydia Welti-Escher eine Feministin gemacht. Ist das richtig?» Antwort des Buchautors Jung: «Lydia ist mit solchen Begriffen nicht beizukommen. Sie war eine Frau in gesellschaftlichen Zwängen.» Im selben Interview sagt Jung auch: «Wir reden alle von Annemarie Schwarzenbach. Das ist auch gut so. Doch Lydia trat schon 40 Jahre früher für die 'Emanzipation des weiblichen Geschlechts' ein.» – Richtig gelesen? Dann muss man sich fragen: Hat «die Emanzipation des weiblichen Geschlechts» also nichts mit frühem Feminismus zu tun? Oder darf die Sache in Bankkreisen nicht so genannt werden? Oder geht's nur darum, doch noch eine Abgrenzung zu Wottreng zu finden, der die Geschichte halt schon früher erzählt hat. Etwas süffiger und doch wissenschaftlich.

Dazu die Rezension aus der WoZ vom 21. August 2008, Titel «Skandalbericht»:
"Joseph Jung, Haushistoriker der Credit Swiss, hat seinem Buch zwar ein Kapitel zur Rezeption des tragischen Liebespaars beigestellt, Wottreng aber nur nebenbei erwähnt und als unwissenschaftlich abgekanzelt. ... Während Wottreng etwas salopp formuliert, neigt Jung zur Pedanterie."

Fazit: Wottrengs Buch über Lydia bleibt das Original.

 

 

 

Nachruf auf die «Nachrufe»

Eine Rubrik in der «NZZ am Sonntag»
Keine langweiligen Sonntagspredigten sollten es sein, sondern Texte voller Leben. Rückrufe eher als Nachrufe. Wenn der Vorhang fiel, sollten diejenigen, die auf der Bühne waren, noch einmal vor den Vorhang treten, jeder und jede für sich, und einen Sketch aufführen, der ihr Leben charakterisierte. So verstand ich die Nachrufe, die ich von 2002 bis 2013 fast jede Woche in der «NZZ am Sonntag» publizierte.

 

In einem «Nachruf» auf meine Nachrufe schrieb Chefredaktor Felix Müller am 27. Oktober 2013: «Mit dieser Rubrik, die Wottreng zu der seinen machte, führte er in der 'NZZ am Sonntag' die angelsächsische Tradition des 'obituary', des Nachrufs, als Textgattung in den Schweizer Journalismus ein.»

 

Nun fahren andere damit fort. Über jeden wächst Gras.

 

 

 

Lesestück: «I bi e ke Ringi»

Aus der Rubrik «Nachrufe», zum Tod von Sybille Neff, Appenzeller Kunstmalerin und Schreck der Regierung.
   
Obrigkeiten und Behörden braucht es gewiss, fand die streitbare Frau, doch sollten sie die Gärten der Bürger in Ruhe lassen. Nicht wegen dieser Ansichten erhielt sie den Kulturpreis des Kantons.

Ungeschminkt konnte sie die Heuchelei ihrer Umgebung anprangern: «Di brave Appezöller springid em Moge i d Chülche» - morgens liefen die Appenzeller in die Kirche -, «ond denn streuids Salz uf d Schnegge.» (Für Nichtgärtner: um sie zu töten.)

Widerständig war sie von Kindheitserfahrungen her. Unehelich geboren 1929 im anonymen Basel – wohin die junge Mutter für die Geburt geflüchtet war –, sollte Sibylle später der Mutter weggenommen werden, als diese sich verheiratete mit einem neuen Mann. In solchen Verhältnissen muss ein Kind ja moralisch gefährdet sein! Der Widerstand der Mutter und der elfjährigen Sibylle war erfolgreich, er schweisste die beiden zusammen. Gerechtigkeit für die Verschupften wurde Sibylles Lebensthema.

Die Mutter betrieb in Appenzell zuerst ein Stickereilädeli, dann konnte der Stiefvater seinen Spenglerbetrieb an prominenter Stelle im Städtchen eröffnen, am Landsgemeindeplatz, wo die Familie nun hinzog. Sibylle, ein naturverbundenes und verträumtes Kind, zeichnete gern. Sie durfte später gar ein paar Monate die Kunstgewerbeschule in St. Gallen besuchen, wo sie erfuhr, was Licht und Schatten ist, was Perspektive und was Farbenlehre. Doch wurde sie zu Hause gebraucht und gab die Schule auf, nicht aber das Malen. Dafür genügte der Küchentisch.

Die Mutter war skeptisch, doch als sie für ihre 30-jährige Sibylle das erste Bild verkaufen konnte, begann sie an die Künstlerin zu glauben. Und wurde die resolute Managerin ihrer Tochter – die zeitlebens von Liebe zu einem Mann nur träumen sollte.

Neff malte kleine Dinge des Alltags, auf den ersten Blick im traditionellen Stil der Bauernmaler, auf den zweiten Blick raffinierter: Sie beherrschte die Perspektive, konnte Gesichter zeichnen, hielt sich nicht an schematische Alpaufzüge und wagte, Komisches und Kritisches wiederzugeben. «Der nervöse Arzt», zeigt einen überforderten Doktor, im Wartezimmer ein Haufen Patienten mit verschiedensten Wehwehs. Im Bild «En alte Ledege» entdeckt man ein Bäuerlein, einen Ledigen eben, seine vielfach geflickte Wäsche aufhängend. Neff zeigt den Bagger, der das Hügelgrün zerschneidet, und Bauern mit unglücklichem Gesicht, wie sie solche im Kanton mit den vielen Selbstmorden auch sah.

So wurde sie bekannt. Selbst die verwitwete Präsidentengattin Jackie Kennedy in Gstaad kaufte ihr ein Bild ab. In Bratislava wurde Sibylle Neff an einer Ausstellung naiver Kunst gefeiert. Wobei: Naiv war sie nicht, weder künstlerisch noch persönlich.

«I bi eefach zwenig domm», sagte sie einmal. Sie hätte kulturelles Aushängeschild des Kantons sein können, wenn sie sich nicht angelegt hätte mit der Regierung. In den 1960er Jahren wollte jene eine Durchfahrt durch den Vorgarten des Neff-Hauses erstellen zu einem dahinter liegenden Verwaltungsgebäude, obwohl kein solches Recht im Grundbuch eingetragen war. Überzeugt, das sei Willkür und es gebe ja andere Zufahrtsmöglichkeiten, wehrte sich Neff, nachdem Vater und Mutter gestorben waren, gegen den «Grondbuechpschess».

Sie schreibt Leserbriefe, engagiert Anwälte, schaltet Inserate, beschimpft die Innerrhoder Behörden als «Mafia» und erhält von Gerichts wegen eine Gefängnisstrafe wegen Beschimpfung, was sie nicht hindert, weiter zu schimpfen. Sie hängt Transparente am Haus auf. 1990 an der Landsgemeinde, an der die Frauen noch nicht teilnehmen dürfen, veranstaltet sie ein «Tonderwetter» und schmeisst während der feierlichen Eidesleistung der Männer Teller aus dem Fenster. 1995 beschallt sie den Landsgemeindeplatz mit einem Tonband, auf welches sie ihre Anschuldigungen gesprochen hat. Wiederholt steigt sie vor der Menge aufs Rednerpult: «Es erdrückt mich fast», klagt sie, und wer sie hörte, verspürte ihr Leid. Bis die Behörden das Vorhaben aufgaben.

«Eine Einfrauenpartei», spotteten manche über Neff, die einen Wahlaufruf unterzeichnete mit: «Bürger, die vor- und rückwärts denken».

«I bi e ke Ringi», gestand sie, keine Einfache. Es war, als brauchte sie den steten Aufruhr ihrer Seele, um leben zu können. Dabei sah sie über den eigenen Gartenhag hinaus. Sie wehrte sich gegen einen Golfplatz in Weissbad. Und als die Regierung den Kantonsbeitrag verweigerte an die Fontänen auf dem neuen Bundeshausplatz, trug sie eigenhändig 10 000 Franken nach Bern als Geschenk. Womit sie ihre knausrige Obrigkeit blossstellte.

Der Behördenschreck Sibylle Neff erhielt 2007 den Kulturpreis von Appenzell Innerrhoden. Als Anerkennung für ihr Lebenswerk. Und als sichtbaren Ausdruck für die «Akzeptanz der Andersartigkeit», wie der Landammann erklärte. Gerührt erklärte Neff: «Jetz han i e rechti Freud.»

Es war der grosse Friedensschluss.
   
Erschienen in: NZZ am Sonntag, 25. Juli 2010